RTV 1879 Basel

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Die Geschichte des RTV 1879 Basel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Fritz Helber   
Freitag, 25. August 2006

Am 28. April 1879 gründete Turnlehrer Adolf Glatz (1841 – 1926) mit neun seiner Schüler aus der Gewerbeschule, der nachmaligen Oberen Realschule, und dem Realgymnasium bei einer Zusammenkunft im Basler Bischofshof den Realschüler-Turnverein. Die Vereinsgründung erfolgte auf der Grundwelle des grossen turnerischen Aufbruchs im 19. Jahrhundert, wie dieser namentlich in den Ideen des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn zum Ausdruck kam. Neben dem legendären seit 1819 bestehenden, aus Bürgern und Studenten zusammengesetzten Basler Turnverein, der 1857 nach dem Austritt der Studenten seinen Namen in Bürger-Turnverein umbenannte, schossen in den letzten vier Dezennien bis zur Jahrhundertwende in Basel die Turnvereine wie Pilze aus dem Boden.

Konzeptionell wurde der junge RTV als reiner Schülerturnverein gegründet. Weitere Gründungen von Schülerturnvereinen in jener Zeit in Basel waren etwa der bereits 1868 ebenfalls mit Schülern der Gewerbeschule gegründete Gewerbeschüler-Turnverein, der sich um die Jahrhundertwende wieder auflöste, und der etwas jüngere, im Jahre 1883 gegründete Gymnasial-Turnverein. War anfänglich die Namensgebung für den neuen Schülerverein durchaus noch uneinheitlich – man bezeichnete sich in den ersten Jahren als „Turngemeinschaft von Schülern des Gymnasiums und der Gewerbeschule“, dann als „Turngemeinschaft von Schülern der Realschule“ oder bloss als „Schülerturnverein Basel“ – einigte man sich 1886, wenige Jahre nach Gründung des GTV, dem sich auch RTVer aus dem Gymnasium angeschlossen hatten, definitiv auf „Realschüler-Turnverein“ oder abgekürzt „RTV 1879 Basel“. Kurzum: der RTV hatte im „Biotop“ der Mitte des 19. Jahrhunderts als Gegenpol zur klassischen humanistischen Ausrichtung entstandenen Realschulen (Mittelschulen), die sich an den Naturwissenschaften orientierten, „das Licht der Welt erblickt“.

Die Gründung des Realschülerturnvereins im Jahre 1879 wurde von den damaligen Schulleitungen und dem Elternhaus mit grösstem Wohlwollen aufgenommen, gab es doch an der damaligen Gewerbeschule bzw. späteren Oberen Realschule lediglich in der I. und II. Klasse je eine wöchentliche Turnstunde. Eine Ergänzung dieses knappen schulischen Angebots durch turnerische Ertüchtigung in einem Verein war deshalb mehr als erwünscht. Ja, dem wohl gelittenen Realschülerturnverein sprach die Schulinspektion nach einer ersten Bewährungszeit jährliche Subventionen zu, die wiederum als Anerkennungsprämien an die im Verein ehrenamtlich tätigen Turnlehrer zurückflossen. Diese glückhafte Symbiose zwischen Schule und Verein dauerte über Jahrzehnte an.

Mitglieder beim RTV konnten Schüler werden, die das 14. Altersjahr zurückgelegt hatten, und die Vereinszugehörigkeit endete automatisch mit dem Abgang von der Schule. Die Vereinsgeschäfte wurden geleitet von einem Ausschuss von sieben Vereinsmitgliedern, in dessen Sitzungen der leitende Turnlehrer jeweils den Vorsitz führte. Die Schwachstellen eines solchen ausschliesslichen Schülervereins lagen auf der Hand: Einerseits verlor man mit dem Abgang von der Schule immer wieder seine Besten und war gewissermassen die Talentschmiede für andere Vereine, andererseits waren auch häufige Wechsel in der Vereinsführung, wie dies in der Zeit der Schülerpräsidenten von 1913 bis 1933 der Fall war, nicht gerade ideal. Die Probleme eines ausschliesslichen Schülerturnvereins wurden indessen in den Anfängen des RTV deshalb nicht wahrgenommen, weil „Papa“ Adolf Glatz als autoritäre und verehrte Persönlichkeit und Vereinsführer über 34 Jahre die Vereinsgeschicke bestimmte und erst 1913 seine Tätigkeit in Basel aufgab. Als der grosse Steuermann von Bord ging, reagierten allerdings ehemalige RTV-Mitglieder noch im gleichen Jahr mit der Gründung eines Altmitglieder-Verbandes (AMV), der dem Verein mit Rat und Tat, auch in finanzieller Beziehung, beistehen wollte.

Im Auf und Ab der Jahre nach dem Rücktritt von Adolf Glatz hatte der RTV dann immer wieder Krisen zu überstehen. Das 50jährige Vereinsjubiläum im Jahre 1929 konnte noch als ein rauschendes Fest gefeiert werden, doch Krisensymptome waren unübersehbar. Namentlich war ein rasanter Mitgliederschwund festzustellen. In dieser die Existenz des Vereins bedrohenden Situation hatte der RTV das Glück, dass mit Dr. Albert Bieber Anfang der Dreissigerjahre eine zweite Lichtgestalt auftrat, der sich 1933 zum Präsidenten wählen liess und damit die Zeit der Schülerpräsidenten beendete. Nachdem er durch unnachahmlichen persönlichen Einsatz den Schülerverein vor dem Zerfall gerettet hatte, fiel während seiner Präsidialzeit im Jahre 1937, also 58 Jahre (!) nach der Vereinsgründung, der für die Zukunft des Vereins wegweisende Entscheid, eine Aktiven-Sektion zu bilden, damit vom Konzept des reinen Schülervereins Abschied zu nehmen und zum voll ausgebauten Verein zu schreiten. Jetzt endlich hatte der Verein auf leistungssportlicher Ebene gleich lange Spiesse wie die Konkurrenz und es gelang ihm namentlich im Handball dank ausgezeichneter Nachwuchsarbeit bald einmal, sowohl in Basel als auch auf nationaler Ebene mit den Besten mitzuhalten.

Wenn der RTV heute vorwiegend als Handballverein wahrgenommen wird, so konnte er dieses Etikett am Anfang seiner langen Vereinsgeschichte natürlich noch nicht haben, weil das Handballspiel erst 35 bis 40 Jahre nach der Vereinsgründung erfunden wurde. Ganz in der Tradition der Gründerzeit der Turnvereine in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stehend, hatte sich der RTV vorerst ganz dem Turnen in seinen verschiedensten Ausprägungen verschrieben. An den Trainingsabenden standen Ordnungs-, Frei- und Stabübungen, Geräteturnen, Kunstturnen sowie fakultativ Nationalturnen und Fechten, letztere Sportart dank Dr. Brömmel, welcher später den Gymnasialturnverein gründete, im Vordergrund. Als eine weitere Sportdisziplin der ersten Jahrzehnte war auch Pentathlon, bestehend aus Steinstossen, Speerwerfen auf ein Ziel, Weitsprung, Ringen und Lauf, im Programm. Neben Sommer-Ferienkolonien für die Jüngeren, von 1884 bis 1893 auf der Alp Schrina ob Walenstadt und ab 1895 im Ferienheim auf der Alp Morgenholz im Niederurner Alpental, wurden für die älteren RTVer jedes Jahr auch grossartige mehrtägige Turnfahrten in die Schweizer Bergwelt als prägende Erlebnisse der Teilnehmer durchgeführt. Gesellige Anlässe sowie das Stiftungsfest am Ende eines Vereinsjahres rundeten das rege Vereinsleben ab.

Dank seiner Stellung als Schülerturnverein an der alten Oberen Realschule und dem Glück, durch aufgeschlossene, fortschrittliche Sportpädagogen aus dem Turnlehrerverein geführt und trainiert zu werden, fand beim RTV frühzeitig die im 19. Jahrhundert aufgekommene turnerische Reformbewegung Eingang, die an Stelle einer fast ausschliesslichen Pflege der Geräteübungen und des Turnens in der Halle vermehrt auf natürliche Bewegungsformen, wie das Laufen und die Turnspiele, Wert legte. Der RTV konnte sich deshalb frühzeitig an die Spitze dieser Reformbewegung auf dem Platze Basel stellen und als Protagonist dieser Turnspiele auftreten. So beteiligte sich der RTV im Jahre 1888 an einem Schauturnen des Bürgerturnvereins mit einem Ballspiel und führte in der Folge auch anlässlich der jährlichen St. Jakob-Feste dem Publikum wiederholt Spiele vor; vermutlich war es Grenzball. Bis das Handballspiel in der ersten Hälfte der 1920er Jahre in der Schweiz Einzug hielt, waren beim RTV auch der Schlagball, der Fangball und der Faustball durchaus populäre Turnspiele. In Schlagballwettkämpfen mass man sich in Basel auf dem Platz am Bachgraben mit dem Abstinenten-Turnverein, aber auch mit deutschen Mannschaften. Als im Jahre 1903 von Karl Walker, Turnlehrer an der Oberen Realschule und Vorturner im RTV, das zuvor nur in Deutschland bekannte Faustballspiel im hiesigen Turnlehrerverein, in der Schule und damit auch im RTV eingeführt wurde, widmeten sich die RTVer sogleich mit Eifer und Können diesem neuen Turnspiel. Den diesbezüglich grössten Erfolg errang der Verein 1912 am Eidgenössischen Turnfest in Basel, als er mit seinen Mannschaften im Faustball die beiden ersten Ränge belegte.

Kein Spiel elektrisierte die Realschüler in der noch handballlosen Zeit jedoch derart wie das in den beiden letzten Dezennien des 19. Jahrhunderts von England auf den europäischen Kontinent gelangte Fussballspiel. Bereits am 19. April 1879, also gut eine Woche vor der Vereinsgründung des RTV, war mit dem FC St. Gallen der älteste Fussballclub der Schweiz und der zweitälteste des europäischen Festlandes entstanden. Es zeigt die einzigartige Persönlichkeit von Turnlehrer Adolf Glatz auf, dass er als Sportpädagoge dem Neuen stets aufgeschlossen entgegentrat und neben den bereits praktizierten Turnspielen somit auch dem Fussball seine ungeteilte Aufmerksamkeit zuwandte. Man bildete im Frühjahr 1893 im Realschülerturnverein eine Spielgenossenschaft, wobei die Zahl der Spielenden zunächst auf 24 begrenzt sein sollte, und schaffte Fussbälle an. Der Ruf des Fussball spielenden RTV veranlasste noch im selben Jahr die Süddeutsche Fussball-Union, dem Realschülerturnverein eine Einladung zum Beitritt zugehen zu lassen. Da ein solcher Beitritt indessen mit zu vielen Umständen verbunden gewesen wäre und natürlich die Kostenfrage eine Rolle spielte, wurde davon abgesehen und entschieden, das Fussballspiel, ohne weitere Verbindungen einzugehen, wie bisher zu betreiben und sich dabei immer mehr an die in England geltenden Regeln zu halten.

Ein gutes Verhältnis bestand von Anfang an zu dem am 15. November 1893 gegründeten FC Basel. Ein Gründungsmitglied des FCB, Josy Ebinger, kam vom Realschülerturnverein. In der Kommissionssitzung des Realschülerturnvereins vom 2. Dezember 1893 konnte denn auch Adolf Glatz mitteilen, dass Mitglieder des RTV jederzeit an den Übungen des Football-Clubs teilnehmen könnten, ohne irgendwie verpflichtet zu sein, einen Beitrag zu entrichten. Aufgrund dieser engen Beziehungen war es schon fast logisch, dass das als „historisch“ einzustufende erste Basler Fussball-Derby am 10. Dezember 1893 auf dem Landhof zwischen dem Football-Club Basel und dem RTV ausgetragen wurde. Es endete mit einem 2:0-Sieg des FCB. Das folgende Jahr 1894 war dadurch geprägt, dass sich beide Vereine regelmässig zum Fussballspiel trafen. Selbst während der Schulferien wurde trainiert. Im Stuttgarter „Fussball“, dem ersten offiziellen Vereinsorgan des FCB, lesen wir gegen Ende des Jahres 1894 im ersten Beitrag zur Club-Chronik: „Jeden Sonntag Vormittag fand sich eine Anzahl unserer Leute zum Spiel ein; ihnen schlossen sich jeweilen Mitglieder des Realschülerturnvereins Basel an, dessen Präsident, Herr Reallehrer Ad. Glatz, der in Schweizer Turnkreisen sich eines guten Rufes erfreut, schon letzten Sommer einen Teil der Turnstunden diesem gesunden Bewegungsspiel gewidmet hatte.“

Eine zweite offizielle Begegnung zwischen RTV und FCB wurde am 14. Oktober 1894 auf der Schützenmatte ausgetragen. Dieses Spiel, das der FCB als „Vorübung“ zum ersten Match gegen die Grasshoppers Zürich, den nach dem FC 1879 St. Gallen zweitältesten Fussballclub der Schweiz, betrachtet hatte, endete, wie im Stuttgarter „Fussball“ festgehalten wurde, mit einem Draw (0:0). Der Chronist berichtete hierzu, dass das zahlreich anwesende Publikum grosses Interesse an dem ziemlich gelungenen Spiel bekundet habe. Ein drittes Spiel zwischen dem FCB und dem RTV fand nur 14 Tage später, am 28. Oktober 1894, wiederum auf der Schützenmatte statt. Dieses Mal trennten sich die beiden Kontrahenten 1:1 Unentschieden.

Die Begeisterung vieler Realturner des „Papa“ Glatz und von deren Freunden für den neuen Mannschaftssport Fussball, weiter der Umstand, dass mehrere dieser Fussballbegeisterten 1893 und 1894 mit dem Schulabschluss den RTV verlassen mussten, aber unbedingt weiter miteinander Fussball spielen wollten, führte dazu, dass die Gründung eines Fussballclubs ausserhalb des RTV angestrebt wurde. Im Einverständnis und unter Leitung von „Papa“ Glatz trafen sich denn zu diesem Zwecke im Lokal des Realschülerturnvereins, dem „Breo“ in der Steinen, Altmitglieder des RTV. Ohne lange Diskussion wurde die Gründung eines Fussballclubs beschlossen. Die Namensgebung für den am 20. Oktober 1894 gegründeten FC Old Boys Basel brachte Schwierigkeiten. Die Clubbezeichnung „Old Glatzli“ fand wenig Gefallen. Aber aus den „Old Glatzli“ entstanden die „Old Boys“ (= alte Knaben). So können auch die Old Boys in allen ihren sportlichen Sparten Adolf Glatz als Ahnherrn ausgeben.

Schlagen wir jetzt die Brücke vom Fussball zum Handball: Ab 1915 entwickelte der Berliner Oberturnwart Max Heiser ein Mannschaftsspiel für Frauen und Mädchen, um diesen, wie dem männlichen Geschlecht beim Fussball, ebenfalls eine Möglichkeit zur sportlichen Entfaltung in einem Mannschaftsspiel zu eröffnen. Das Spiel hiess zunächst Torball und wurde am 29. Oktober 1917 in Handball umbenannt. Gemeinhin gilt dieses Datum als die Geburtsstunde des Handballs. In der Folge war es dem Berliner Sportlehrer Carl Schelenz vorbehalten, 1919 mit der Schaffung von Männerregeln das Spiel auch unter den Turnern entscheidend zu lancieren. Die Schweiz war neben Deutschland und Österreich unter den ersten Ländern, in denen der neue Mannschaftssport anfangs der 1920er Jahre Fuss fasste. In Basel erwies sich erneut der Realschülerturnverein als einer der Protagonisten dieser neuen Mannschaftssportart: Am 15. September 1923 trat er zum Abschluss des Kantonalen Spiel- und Stafettentages auf dem Turn- und Spielplatz Schützenmatte gegen den TV Amicitia Basel zu einem Handball-Demonstrationsspiel auf dem Grossfeld an. Leider musste dieses im Scheine elektrischer Bogenlampen begonnene Propagandaspiel nach 15 Minuten wegen hereinbrechender Dunkelheit beim Stande von 3:0 für den RTV abgebrochen werden. Bereits 1924 wurden in Basel Handballwettkämpfe bestritten, zu denen sich mit den Abstinenten, Amicitia, dem Gymnasialturnverein, den Kaufleuten, den Postbeamten und dem Realschülerturnverein sechs Mannschaften einschrieben. Dominator der neuen Sportart war dann auf dem Platze Basel für längere Zeit unbestritten der TV Abstinenten Basel, der aber auch landesweit für Furore sorgte und sich in den Dreissigerjahren dreimal den Titel eines Schweizer Feldhandballmeisters sicherte. Es gehört zu den Sternstunden des RTV, dass er sich in der Saison 1928/29, notabene mit einem Juniorenteam, vor den Abstinenten den Titel eines Basler Handballmeisters sichern und dabei den übermächtigen Gegner in einem furiosen Spiel mit 6:2 Toren besiegen konnte.

Am 15. Mai 1931 gründete der ehemalige RTV-Vorturner Dr. Erich „Dito“ Dietschi auf der Pruntrutermatte mit 19 schulentlassenen ehemaligen RTV-Mitgliedern und 13 Schülern den SC Rotweiss Basel. Bemühungen Dietschis, unter Einschluss von GTV und RTV, einen Basler Mittelschul-Turnverein zu gründen, hatten sich zuvor zerschlagen. Der junge Verein SC Rotweiss kam rasch auf einen beachtlichen Mitgliederbestand und spielte schon nach kurzer Zeit in der Leichtathletik, im Handball, im Eishockey – aus der Eishockey-Sektion des SC Rotweiss ging übrigens kurze Zeit später der EHC Basel hervor –, ja sogar im Skisport und Schwimmen eine beachtliche Rolle. Nachdem 1930 aufgrund eines neuen Schulgesetzes die Obere und Untere Realschule in das neue Realgymnasium überführt worden war und da Dietschi als Lehrer an dieser neuen Lehranstalt gleichzeitig als grosser Werber und Promotor für den neu gegründeten SC Rotweiss wirkte, bedrohte diese Konstellation den RTV in seiner Grundfeste. Ein markanter Rückgang an Neueintritten liess grosse Besorgnis aufkommen.

In dieser für den Verein misslichen Situation kam es im Herbst 1932 zur Fusion zwischen dem RTV und dem im Mai 1931 am Realgymnasium dank der Initiative einer Schülergruppe entstandenen Schülerturnverein „Sport-Club Sparta“. Während der SC Sparta viele tatenfrohe Mitglieder einbrachte, waren auf Seiten des RTV dessen Altmitglieder und eine gut gefüllte Vereinskasse die wesentlichsten Grundlagen für eine rasche Einigung zur Fusion. Was den Vereinsnamen anbetraf, verständigten sich die fusionierenden Vereine auf die Beibehaltung des älteren Namens „RTV 1879“, weil dessen Bekanntheitsgrad viele Vorteile bot. Man hielt nach der Neuordnung der Basler Schulen an den drei Buchstaben „RTV“ als nicht mehr zu übersetzende Bezeichnung einschliesslich dem Gründungsjahr „1879“ quasi als Kunstnamen fest. Erklärungshalber fügte man dem Vereinsnamen noch  „ehemaliger Realschülerturnverein“ hinzu. Man wollte symbolhaft an die Traditionen und Ideen des alten Realschülerturnvereins anknüpfen, in der Praxis wurde der Verein unter der Leitung des bereits erwähnten Albert Bieber jedoch völlig neu ausgerichtet. Der Handballsport gewann im RTV immer mehr an Bedeutung und da es zur damaligen Philosophie gehörte, dass eine solide Grundausbildung in der Leichtathletik die Voraussetzung für einen erfolgreichen Handballspieler sei, war diese Sportart das zweite wichtige Standbein des neuen RTV. Einer der grossen Promotoren dieses Ausbildungskonzeptes war Arthur Fretz. In den Vierziger-, Fünfziger- und Sechzigerjahren hatte der RTV in der Folge eine ausgesprochen starke Leichtathletik-Abteilung. Für den Orientierungslauf, der sich ebenfalls im Verein bei zahlreichen Athleten einer grossen Beliebtheit erfreute, wurde 1962 eigens eine separate Sektion gebildet. Natürlich gab es im RTV Mitglieder, die ausschliesslich  Leichtathletik oder Orientierungslauf betrieben. Zu den eindrücklichsten Erfolgen aus der Gruppe dieser Spezialisten sind etwa die Qualifikation von Johannes Baumgartner als zeitgleicher Zweiter der Schweizer Meisterschaft 1952 im 800 Meter-Lauf für die Olympischen Spiele in Helsinki, dessen mehrfache Einsätze in Länderkämpfen sowie die beiden Schweizer Meistertitel von Babette Schweizer in den Disziplinen Kugelstossen und Hochsprung Anfang der Fünfzigerjahre zu zählen.

Im Grossfeldhandball tauchte der RTV erstmals 1939 in der obersten Schweizer Spielklasse auf, damals während einer Saison gecoacht vom legendären Handball-Förderer Emil Horle. 1945 qualifizierte sich der RTV für die neu geschaffene Nationalliga (8 Teams), stieg aber bereits im zweiten Jahr wieder ab. 1954 gelang der erneute Aufstieg in die Nationalliga A, der er dann bis 1958 und - nach einem weiteren „Taucher“ in die Nationalliga B - von 1961 bis 1965 angehörte. Den grössten Erfolg im Feldhandball feierte der RTV just 1965, im letzten Jahr, in dem sich noch alle Schweizer Clubs im Feldhandball engagierten, mit dem Gewinn des Schweizer Cups. Die Trophäe holte er sich durch einen 12:16 (9:11) Auswärtssieg beim BTV St. Gallen. Im Folgejahr 1966 wurde im Sommer und Herbst erstmals als Versuchsbetrieb eine Kleinfeldmeisterschaft durchgeführt, an der sich die meisten Schweizer Spitzenclubs beteiligten. Von da an nahm die Bedeutung des Feldhandballs kontinuierlich ab und der RTV verzichtete in der Folge, zugunsten des Kleinfeldhandballs, auf eine weitere Teilnahme mit seiner 1. Mannschaft an der Feldhandball-Meisterschaft.

Eine erste Basler Meisterschaft im Hallenhandball wurde 1941 ausgetragen und gewonnen wurde sie vom RTV. Auch in den folgenden vier Jahren dominierte der RTV. Bis 1950 holte sich der RTV bei insgesamt 10 Meisterschaften nicht weniger als 8 Mal den Titel; nur in den Jahren 1946 und 1949 wurde diese Siegesserie unterbrochen. 1950 kam erstmals eine Schweizermeisterschaft in der Halle mit einem Finalturnier in Basel zur Austragung, welche von den Grasshoppers gewonnen wurde und an welcher der RTV als Basler Meister den 3. Rang belegte. Als auf die Saison 1953/54 auf Landesebene eine Nationalliga A mit 8 Teams gebildet wurde, verpasste der RTV die Qualifikation und stieg erst in der Saison 1956/57 in die höchste Spielklasse auf. In der Folge behauptete sich der RTV während 12 Spielzeiten bis zur Saison 1968/69 in der Nationalliga A und erreichte in der Saison 1959/60 unter Trainer Carl Weiss mit dem erstmaligen Gewinn des Schweizer Meistertitels seinen bis dahin grössten Erfolg. Nach dem Abstieg aus der Nationalliga A im Jahre 1969 war das folgende Dezennium namentlich durch Inkonstanz geprägt. Zwar gelang zweimal, 1970/71 und 1976/77, der Wiederaufstieg, doch folgte 1972/73 nach zwei Jahren und 1977/78 im Aufstiegsjahr auch bereits wieder der Abstieg. Als nach der Saison 1979/80 erneut der Aufstieg in die höchste Spielklasse glückte, war dies der Beginn eines weiteren Höhenfluges: Über 9 Spielzeiten gehörte der RTV der Nationalliga A an und wurde in der Saison 1983/84 unter Trainer Halid Demirovic hoch überlegen zum zweiten Mal Schweizermeister. Ein „Taucher“ Ende der Saison 1988/89 in die NLB blieb nach der Verpflichtung des schwedischen „Weltmeisters“ Björn Jilsén als Spielertrainer eine einjährige Episode. Es folgten bis 1996/97 sieben weitere NLA-Saisons, ehe dem RTV, namentlich aus finanziellen Gründen, plötzlich keine NLA-taugliche Mannschaft mehr zur Verfügung stand und er in den folgenden Jahren eine Relegation bis hinunter in die 1. Liga zu verkraften hatte. Dank des grosszügigen Mäzenatentums von Dr. Ernst Schneider, der den Verein nach seiner Zeit als aktiver Handballer im Fanionteam bereits in jungen Jahren als Präsident von 1945 – 1949 geführt hatte, kam der RTV finanziell wieder auf die Beine und es gelang nach einem kontinuierlichen Aufbau der 1. Mannschaft Ende der Saison 2002/03 in die oberste Spielklasse, jetzt die Swiss Handball League (SHL), zurückzukehren. Gegenüber dem „Vereins-Establishment“ der SHL mit wesentlich höheren Budgets hatte der RTV indessen keine Chance, sich in einer Achter-Liga zu etablieren. In den Saisons 2004/05 und 2005/06 errang der RTV zwar zweimal den Titel eines Nationalliga-Meisters, seine Bemühungen, in die SHL zurückzukehren, schlugen indessen in den Auf-/Abstiegsspielen jeweils fehl.

Damenhandball wird im RTV offiziell seit 1968 gespielt. Promotor dieser Neuausrichtung im RTV auf Damenhandball war Olivio Felber, dem das Verdienst zukommt, damals auf dem Platze Basel die erste Damen-Handballriege aufgebaut zu haben. Weil man noch über längere Zeit das einzige Basler Frauenteam blieb, mussten Leistungsvergleiche mit Vereinen aus dem Zürcher und St. Galler Raum, wo die Entwicklung des Frauenhandballs schon fortgeschritten war, bzw. mit aus-ländischen Gegnerinnen gesucht werden. Der erste grosse Erfolg stellte sich bereits bei der ersten offiziellen Schweizer Meisterschaft 1969/70 ein, als die RTV-Handballerinnen hinter dem späteren Seriensieger LC Brühl St. Gallen und dem DHC Zürich einen viel beachteten 3. Rang erspielen konnten. 1973 allerdings war die Relegation aus der Nationalliga, der man bis dahin angehört hatte, nicht zu vermeiden. Zu bedeutend war zuvor der Abgang von älteren und erfahrenen Spielerinnen gewesen. Beharrliche Aufbauarbeit durch Felix Forster, dem neben Felber zweiten grossen Förderer des Damenhandballs im RTV, führten am Ende der Saison 1975/76 zum Wiederaufstieg in die oberste Spielklasse, der man dann über 17 Jahre bis zur Saison 1992/93 ununterbrochen angehörte. Die grössten Erfolge erzielte der RTV 1980/81 und 1983/84, als er unter den Trainern Jean-Claude Gsponer und Faiçal Ladhari zweimal den Titel eines Schweizer Damenhandball-Meisters erringen konnte. Etliche zweite und dritte Ränge in der Nationalliga rundeten während dieser Erfolgsphase den guten Leistungsausweis des Vereins ab. Nach dem Abstieg aus der Nationalliga A in den Neunzigerjahren konnte eine Rückkehr in die Schweizer Elite nicht mehr bewerkstelligt werden. Nach der Erfolgs-Story einer schon seit Jahren unter dem Dach der SG Basel Regio bestehenden Zusammenarbeit mehrerer Vereine bei den Juniorinnen U19 Inter – dieses Nachwuchsteam kam in der Saison 2005/06 zu Schweizer Meisterehren – wirkt der RTV seit 2005 nun auch bei den Damen der SG Basel Regio mit. Mit diesem Team, bisher getragen von ATV Basel-Stadt und TV Kaufleute, soll versucht werden, im Frauenhandball mittelfristig wieder an alte Traditionen der früheren Handball-Hochburg Basel anzuknüpfen.

1992 kam es nach der Auflösung des Vereins „Basler Volleyballer“ (BV) und mit der Integration der BV-Mitglieder in den RTV zur Gründung einer Volleyball-Abteilung. Da BV im Damen-Volleyball über ein NLA-Team verfügte, konnte vom RTV dieser Platz übernommen und die Zugehörigkeit zur NLA nach einigen Anlaufschwierigkeiten in der Meisterschaft auch gehalten werden. Mit Zuzügen von mehreren Schweizer Topspielerinnen und namentlich mit der Verpflichtung der US-Volleyball-Legende Rita Crockett als Spielertrainerin konnte das Fanionteam, professionell geführt von Teammanager Niggi Dressler, bereits in der Saison 1993/94 mit dem Cupsieg und einem zweiten Rang in der Meisterschaft einen ersten Coup im Schweizer Spitzenvolleyball landen. In den beiden folgenden Spielzeiten 1994/95 und 1995/96 gelang als bislang grösster Vereinserfolg der Gewinn des Doubles (Meisterschaft und Cup). 1997 erreichte man noch einmal den Einzug in den Schweizer Cupfinal, unterlag aber dem BTV Luzern deutlich. Rücktritte, Vereinswechsel und finanzielle Probleme führten dazu, dass die Spitzenstellung im Damen-Volleyball nicht gehalten werden konnte und ein Neuaufbau des Fanionteams, bei einer vorübergehenden Relegation in die unteren Ligen, unausweichlich wurde. Seit der Saison 2003/04 spielen die RTV-Volleyballerinnen wieder in der NLA.